Portrait Hermanus Westendorp; © Dina Hillebrand

Hermanus Westendorp †

Die Hochschule trauert um ihren ehemaligen Rektor und langjährigen Kollegen

Der freie Künstler Hermanus Westendorp ist am 12. Dezember 2017 im Alter von 70 Jahren gestorben. Ein Nachruf von Michael Dörner:  

„Kunst ist die beste Art, Zeit zu verbringen" (HW, 2012)

Der 1947 in Rotterdam geborene Hermanus Westendorp studierte zunächst an der Kunstakademie Stuttgart Malerei, bevor er von 1987 bis 2012 als Hochschulprofessor für Freie Bildende Kunst an der HKS Ottersberg tätig wurde. Die Malerei ist immer sein Metier geblieben. Er schwärmte für den Geruch von Ölfarbe und Leinölfirnis, was neben der Philosophie sein Lebenselixier zu sein schien. Er liebte nicht nur seine Malerei, sondern auch die Lehre an der Hochschule. Er wurde nie müde zu betonen, wie wichtig ihm die Gespräche mit den Studierenden waren. Er war ein aufmerksamer Zuhörer und willkommener Ratgeber. Er pflegte auch nach vielen Jahren in Deutschland seinen niederländischen Zungenschlag wie kein anderer, wusste er doch, wie charmant so ein Akzent sein konnte.

Hermanus Westendorp leitete bis zuletzt zwei Klassen und war in den Studiengängen Kunst im Sozialen und Freie Bildende Kunst tätig. Von 1991 bis 1997 zeigte er neben seiner hervorragenden Lehrtätigkeit auch seine Führungsqualitäten als Rektor und anschließend als Studiengangsprecher im Studiengang Freie Bildende Kunst. Seine kluge, humorvolle Art und seine Kompetenzen im Leiten und Lenken machten jede Sitzung mit ihm zu einem Vergnügen. Stets gut vorbereitet, lief ihm alles glatt von der Hand. Dennoch war er auch ein streitbarer Kollege, der genau wusste was er wollte und was gut für die Hochschule ist.

Seine eigenen künstlerischen Werke waren leider in den Lehrjahren an der Hochschule selten zu sehen. Sein Engagement für die HKS hinderte ihn daran, sich so intensiv mit der Malerei auseinanderzusetzen, wie er es gerne gemacht hätte. Waren aber seine Bilder öffentlich oder bei ihm zu Hause zu sehen, dann verstand man sehr gut, was diesen Menschen antrieb. Aus einer grünbraunen Ursuppe heraus entwickelte er seine tiefgreifenden Motive, die immer von einen humorvollen Titel begleitet wurden. Man konnte tatsächlich die Farbe nicht nur riechen, sondern den Geruch auch sehen. Er konnte gewaltige Formate genauso bewältigen, wie er mit den kleineren Bildern spielerisch umging.

Neben seiner bildnerischen Arbeit war er auch ein leidenschaftlicher Gitarrist. Mit ehemaligen Studiereden gründete er die Band Rupp, in der es auch klanglich ruppig zuging und man unweigerlich an seine Malerei erinnert wurde. Seine Musik und seine Kunst bedeuteten für ihn die Freiheit und die Zukunft, für die er immer ein lebendiges Wort übrig hatte.

In einem Brief an mich schrieb er einmal:

„Wie du weißt, habe ich in den nun bald 25 Jahren meiner Hochschulzugehörigkeit an vielerlei Stellen und Funktionen an der Entwicklung dieser merkwürdigen aber auch liebenswert faszinierenden Institution mitgearbeitet. Bis vor kurzem wusste ich dabei mit meiner Arbeit an der Gestaltung von Zukunft mit zu arbeiten, nicht nur an die der Hochschule und der Studierenden, sondern natürlich auch an meine eigene. Dieses Wissen wird nun aber zunehmend von einem Gefühl überlagert, das ich gar nicht so genau beschreiben kann, wohl vor allem aber mit dem richtigen Zeitpunkt zu tun hat. Dass, wenn ich den verpasse, die Gefahr besteht, dass ich nicht mehr Zukunft gestalte, sondern nur noch meine Vergangenheit verlängere. Auf Zukunft möchte ich aber nicht verzichten. Ich habe noch einiges vor, es gibt noch viel zu tun. Ob es da nicht besser ist, die Zukunft nicht aufzuschieben, sondern sie gleich in Angriff zu nehmen?" (HW 2012)

Nach seinem Eintritt in den Ruhestand hat Hermanus noch ein Jahr weiter an der HKS gelehrt. Und man kann aus dem Zitat sehr gut diesen Kampf um die eigene Zukunft ablesen. Die Zukunft, also die Zeit nach der Hochschule widmete er auch dementsprechend sehr intensiv der Malerei. In Blender-Inschede bezog er ein neues, größeres Atelier in der Nähe seiner langjährigen Lebensgefährtin. Er hatte noch so viel vor. Er hielt überall seine begnadet guten Reden und Vorträge, er gab Kurse und war im Vorstand des Kunstvereins Rotenburg, und es zog ihn immer wieder zur Hochschule zurück. Gerade noch – Mitte Oktober 2017 - hat er mit einer wunderbaren Rede die Preisträger des neu eingeführten Ottersberger Kunstpreises für Studierende der Hochschule gewürdigt und anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Kunstvereins Rotenburg wollten wir ein Projekt im öffentlichen Raum in Rotenburg gemeinsam durchführen. Hermanus, du hast dich zu früh und so plötzlich davon gemacht: Wieso?

„Es ist eben so. Aber wie nun genau?
Darum geht es doch.
Na ja, das wollte ich noch sagen." (HW, 2014)

Michael Dörner, 18.12.2017

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Berühren und Festhalten lautete das Thema eines Theaterprojekts, das Prof. Peer de Smit und Rée de Smit zusammen mit Studierenden der HKS im Herbst 2017 am AMEOS Klinikum durchgeführt haben.

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Sieben Studierende der HKS Ottersberg flogen im November 2017 nach Venezuela! Nach 2010 und 2013 fand der Austausch mit der Universidad de Zulia nun schon zum dritten Mal statt. 

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