Nachruf auf Robert van de Laar

Nachruf auf Robert van de Laar

Das Unbekannte ist auch immer das, was wir mit uns tragen und das letztlich überall in Erscheinung treten kann.
Robert van de Laar


Bevor Robert 1984 an der Hochschule für Künste im Sozialen, damals noch Freie Kunststudienstätte Ottersberg, als Professor zu lehren anfing, hatte er Bildhauerei studiert. Erst an der Folkwangschule in Essen, später an der Hochschule der Künste in Berlin. Als Bildhauer suchte er die Erscheinungsformen des Unbekannten zunächst im physischen Raum.

Mit architektonisch anmutenden Objektarrangements auf Tischen sowie raumgreifenden Installationen untersuchte er den Stand der Dinge, ihren Status und ihr Verhältnis zueinander, um, wie er es selbst einmal nannte, die Bewohnbarkeit des Raumes zu ergründen.
Ausstellungstitel wie Vor Ort, Von hier aus, Visa-Versa, Oberhalb, Raum für Louise oder Bernauer Straße zeigen, dass Robert mit Bewohnbarkeit nicht nur die bloße Behausung meinte, sondern, dass es ihm darum ging einen Ort zu erstellen, worin Einer verbleiben oder den nächsten Schritt machen kann.

Konsequent entwickelte er seine Raumauffassung weg von einem bloß dreidimensionalen Areal, zu einer Sphäre mit ambivalenten intellektuellen und emotionalen Dimensionen, der er in komplexen Installationen und Objekten, mit Video, Licht, Bewegung und Ton Gestalt verlieh.
Mag der Umgang mit Ambivalenzen zum künstlerischen Handwerk gehören, die Fähigkeit diesen lehrend zu vermitteln, ist weitaus weniger selbstverständlich.

Robert konnte das. Er war ein guter Kunstprofessor, jemand der den ästhetisch-gestalterischen Umgang mit Unwägbarkeiten und Gegensätzen vermitteln konnte, und der seine Lehre als integralen Bestandteil seines Künstlerberufs verstand. Der persönliche künstlerische Ansatz jedes einzelnen Studierenden hatte dabei für ihn höchste Priorität.
 
Diese Maxime bestimmte auch sein hochschulpolitisches Handeln. Sei es als Mitglied des Vorstandes des Trägervereins, sei es als langjähriger Prorektor, sei es als Mitglied der Hochschulgremien – immer trat Robert entschieden ein für eine inhaltliche und didaktische Ausrichtung der Hochschule, welche die individuellen künstlerischen Intentionen der Studierenden  als Ausgangspunkt und Ziel der Ausbildung betrachtet.
 
Robert war ein sensibler Mann der gut zuhören konnte und ein großes Einfühlungsvermögen besaß. Gelegentlich aber gab es Phasen, wo aus dem sonst Warmherzigen ein Verschlossener wurde, dessen sonore Stimme verstummte. Dann galt es abzuwarten, bis der Mann im schwarzen Anzug mit dem obligatorischen roten Shawl wieder zur Bewohnbarkeit von Stunde und Tag zurück gefunden hatte.

Das Warten lohnte sich immer.

Nun ist Robert mitten in den Vorbereitungen für seine große  Übersichtsausstellung in der Städtischen Galerie Bremen nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Den Ausstellungstitel hatte er schon bestimmt: Unverzüglich Zuwarten.

Hermanus Westendorp

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Berühren und Festhalten lautete das Thema eines Theaterprojekts, das Prof. Peer de Smit und Rée de Smit zusammen mit Studierenden der HKS im Herbst 2017 am AMEOS Klinikum durchgeführt haben.

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